Änderung der Umlagerungsstrategie
In Tideästuaren erfolgt eine Vermischung von fluvialen (= zum Fluss gehörigen, aus Erosion im Einzugsgebieten stammenden) und marinen Schwebstoffen und Sedimenten, wobei verschiedene Kornfraktionen unterschiedlich transportiert werden. Im Ästuar kommt es aus physikalischen Gründen zur Ausbildung einer sogenannten Trübungszone, in der erheblich höhere Schwebstoffkonzentrationen (und damit auch höhere Sedimentationsraten) als stromauf und stromab (= seeseitig) vorherrschen.
Die Transportmechanismen im Bereich der Trübungszone der Tideelbe zwischen Hamburg und Brunsbüttel sind bisher nicht bis ins Detail erforscht. Den aktuellen Stand der bisherigen Erkenntnisse geben die GKSS-Studie „Sedimenttransportgeschehen in der tidebeeinflussten Elbe“
[7,7 MB] sowie die BfG-Systemstudie Tideelbe
[14,29 MB] wider.
Es ist jedoch mit Sicherheit davon auszugehen, dass in flutstromdominierten Bereichen der Tideelbe Stromauftransporte vorherrschen. Ein Stromabtransport erfolgt hier lediglich ausnahmsweise bei günstigen hydrologischen Randbedingungen, d.h. insbesondere bei hohen Oberwasserabflüssen.
Aus diesem Grund wird im Zuständigkeitsbereich des WSA Hamburg seit 2006 eine geänderte Umlagerungsstrategie praktiziert. Ziel ist eine Durchbrechung von Sedimentkreisläufen. Durch die Umlagerung der im Amtsbereich gebaggerten Sedimente, überwiegend aus dem Bereich Wedel stammend, in stromab des Störbogens gelegene ebbstromdominierte Bereiche soll der mögliche Stromauftransport nach Umlagerung des Baggergutes verhindert bzw. verlangsamt werden.
BfG-Systemstudie Tideelbe
Zur Bewertung der seit 2006 geänderten Umlagerungsstrategie wurde die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) mit der Erstellung einer Systemstudie zum WSV Sedimentmanagement
[14,29 MB] mit Untertitel „Ökologische Auswirkungen der Umlagerung von Wedeler Baggergut“ beauftragt, die im Juni 2008 fertig gestellt wurde. Im Ergebnis empfiehlt diese Studie die Umlagerung des Wedeler Baggergutes in einen Bereich zwischen der WSÄ-Amtsgrenze und Cuxhaven. Als Grund für die Entscheidung werden im Vergleich zur möglichen Umlagerung in weiter stromaufgelegene Flussabschnitte Vorteile hinsichtlich der Fachaspekte Sauerstoffhaushalt, Nährstoffhaushalt und Primärproduktion sowie Fischfauna genannt. Hinzu kommt die Reduzierung von Baggerkreisläufen und damit mittel- bis langfristige eine Verringerung von Baggermengen, die letztlich auch zu weniger ökologischen Beeinträchtigungen führt.
Nach Einschätzung der BfG ist bei einer verstärkten Umlagerung von Baggermengen in ebbstromdominierte Bereiche mit einer kaum messtechnisch erfassbaren Erhöhung der Belastung in seewärts der Verbringbereiche gelegene Sedimentationsräume zu rechnen. Die WSV führt eine kontinuierliche Schadstoffbeprobung an Schwebstoffprobenahmestellen sowie seit 2008 Probenahmekampagnen in ausgewählten Depositionsbereichen (Schwerpunkt Osteriff bis Rhinplatte, Entnahme von Sedimentkernen) der Tideelbe durch, um die Entwicklungen in den Sedimentationsräumen beurteilen zu können. Das Monitoring und zugehörige Ergebnisse sind im BfG-Bericht "Untersuchungen zur Dynamik von Feststoffen und feststoffgebundenen Schadstoffen für den Verbringbereich bei Elbe-km 688/690"
[4,5 MB] beschrieben. Eine Lösung der Schadstoffproblematik ist nur mittels Sanierungsmaßnahmen im gesamten Elbeeinzugsgebiet möglich, wie sie im Entwurf des Maßnahmenprogramms zum Bewirtschaftungsplan nach EG-Wasserrahmenrichtlinie (Flussgebietseinheit Elbe
) vorgesehen sind. Weitergehende Erläuterungen zur Thematik finden sich im Strombau- und Sedimentmanagementkonzept Tideelbe
[0,6 MB] unter "Maßnahmen zur Verbesserung der Sedimentbelastung".
